Was heißt eigentlich transzendieren?

Das Wort transzendieren kommt aus dem Lateinischen. Transcendere heißt hinübergehen, hinübersteigen, überschreiten. Es setzt sich zusammen aus trans- hinüber  und scandere - besteigen, steigen.

Ich frage mich, was es bedeutet, wenn ich spüre, dass transzendieren, also überschreiten, übersteigen für mich so wichtig ist. Was ist es denn eigentlich, was ich überschreite? 

An anderer Stelle im Internet, wo ich nach der Bedeutung von transzendieren gesucht habe, wird geschrieben, es hieße, etwas hinter sich zu lassen. Was aber lasse ich hinter mir, wenn ich transzendiere?

Irgendwie spüre ich, um was es gehen könnte, also was mich am Transzendieren interessiert und zufrieden und glücklich macht. Es hat etwas damit zu tun, wie ich mein Denken steuere, wie ich Gedankeninhalte bewege, wie ich sie sozusagen an Grenzen führe, um, wenn es klappt, diese Grenzen zu übersteigen. In solchen Momenten kann ich dann spüren, wie Inhalte sich verändern, sobald sie über gewisse Denkgrenzen hinübergehen. 

Mir ist klar: Das muss man wollen, und ich will es. Ich will Gedanken über Grenzen hinüberdenken. Das wollte ich schon immer. Denkgrenzen sind für mich immer schon ein Anreiz gewesen, sie zu finden und zu übersteigen. Auf diesem Hintergrund würde ich sagen, ich bin eine Abenteurerin des Denkens. 

Übrigens: Es sind fast vierzig Jahre her, da habe ich ehrenamtlich in der Aidshilfe in Köln als Sterbebegleiterin gearbeitet. Der Mann, den ich begleitet habe, hieß Antoine. Er war um die vierzig. Ich traf ihn ungefähr ein halbes Jahr bevor er starb. Er und sein Lebensgefährte waren HIV-positiv. Antoine  bekam irgendwann hohe Dosen Morphin, was dazu führte, dass er die meiste Zeit schlief. Aber wenn er aufwachte und ich neben seinem Bett saß, hatte er manchmal das starke Bedürfnis mir zu erzählen, was er im Schlaf erlebt hatte. Er war von Beruf Architekt und je nach dem, was er mir berichten wollte, verlangte er nach Papier und Stift, um aufzuzeichnen, was er gesehen hatte. Bei einer seiner Erzählungen aus seinen Träumen zeichnete er für mich die Entstehung der Welt, so wie er sie in seinem Traumerleben hatte sehen können. Und er sagte den Satz, den ich nie vergessen habe: Alles ist Transzendieren, Transzendieren ist alles.



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