Vertrauen braucht eine ehrliche Beziehung zur Wahrheit

Ich vertraue mir. Wie sollte ich auch anderen vertrauen, wenn ich mir selbst nicht vertraue? Aber was heißt das eigentlich, mir selbst zu vertrauen? Ich würde sagen, es heißt, dass ich ehrlich zu mir selbst bin und mich nicht anlüge, mir nichts vormache, mich nicht hinters Licht führe und mir nichts einrede, was nicht der Wahrheit entspricht.

Wahrheit! Ein großes Wort. Aber im Zusammenhang mit Vertrauen ist es wichtig zu wissen, wie man selbst zur Wahrheit steht. Für mich ist Wahrheit nicht statisch, sondern dynamisch im Sinne von: Jeder und Jede hat ihre eigene Wahrheit. Wahrheit ist also subjektiv und sie kann sich für Jeden und Jede verändern, wenn sich die Bedingungen verändern, wenn Informationen dazu kommen und wenn Sachen passieren.  

Zum Beispiel hätte ich vor einem Jahr noch gesagt und es als Wahrheit empfunden, dass Online-Treffen keine Gefühle zulassen und man sich nicht wirklich aufeinander einlassen kann. Jetzt, im Januar 2021 weiß ich aus Erfahrung, dass das nicht stimmt, weil ich im Lauf der letzten Monate erfahren habe, wie lebendig und gemeinschaftsbildend Online-Treffen sein können.

Meine persönlichen Wahrheiten haben sich im Laufe meines Lebens oft verändert. Das hat dazu geführt, dass ich sie nicht mehr so stark verteidige, wenn ich mit anderen Wahrheiten konfrontiert werde, wie ich das früher, als ich jung war, getan habe. Ich habe jedoch großes Verständnis dafür, wenn junge Menschen ihre Wahrheiten als absolute Wahrheiten empfinden und sich entsprechend verhalten. Es ist eben ein langer Lernprozess, die eigene Wahrheit als etwas Dynamisches zu betrachten und zu wissen, dass man auch dann, wenn man total von ihr überzeugt ist, irgendwann merken kann, dass die Angelegenheit anders ist als man gedacht hatte.

Aber zurück zum Vertrauen. Mein Vertrauen in mich selbst beruht nicht auf meinen Wahrheiten, sondern auf einer ehrlichen Beziehung zu meinen Wahrheiten, die eben dynamisch sind. Ich weiß, dass ich manchmal falsch liege mit dem, was ich für wahr halte. Ich vertraue mir, weil ich ehrlich bin und gelernt habe, wie ich es formulieren kann und wie ich mich verhalten kann, wenn sich Wahrheiten als nicht stimmig herausgestellt haben. Ich widerrufe. Ich korrigiere. Ich bessere nach. 

Aber was ist eigentlich Ehrlichkeit? Auf die Schnelle geschrieben würde ich sagen: Ehrlichkeit ist ein ständiges Bemühen, so zu sein und zu kommunizieren, wie es gerade wirklich ist.

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