Online Online Online, und am Ende bin ich immer glücklich.

Ich war noch nie so viel Online wie in den letzten Monaten - zwischen Weihnachten und Ostern. 

Ob das nun gut oder schlecht ist, weiß ich nicht zu sagen. In jedem Fall fühlt es sich gut an. Die Gründe sind folgende: 

1. Ich habe in der Weihnachtszeit, nach jahrelanger Verweigerung, ein Netflix Abonnement eingerichtet. Seither schaue ich viele tolle Filme - und Serien natürlich. Und endlich kann ich wieder mitreden bei Jüngeren. Außerdem erlebe ich eine Auffrischung in Englisch, da ich vieles im Original anschaue.

2. Dann habe ich mir nach Weihnachten einen Online-Kurs über die Nutzung von Zoom in der Bildungsarbeit gekauft. Es sind viele Stunden, die ich am Computer verbringe, um zu lernen. Und dann verbringe ich wieder viele Stunden vor dem Bildschirm, um das, was ich gelernt habe, anderen zu vermitteln. Überwiegend Älteren, die, wie ich, nicht mehr im Beruf sind und ihre Motivation zum Lernen digitaler Tools ausschließlich aus sich selbst entwickeln.

3. Und nicht zuletzt nehme ich an vielen Online-Veranstaltungen teil, die zu den Themen passen, die mir am Herzen liegen. Das ist das Systemische Konsensieren, Bildungsarbeit mit und für Ältere und Gruppenkommunikation. 

Alles immer Online. Ohne diesen weiteren Schritt in die digitale Welt, wäre ich in den letzten Monaten sozial und thematisch verhungert und verdurstet. 

Ich bin seit mehr als 20 Jahren Online unterwegs. Und hin und wieder habe ich einen Schritt weiter hinein ins Digitale getan. Ich blogge, habe Websites eingerichtet und unterhalten und wieder aus dem Netz genommen, ich skype, maile und kaufe mir neue Endgeräte, wenn die alten nicht mehr fit genug sind für meine Bedürfnisse. Aber noch nie war der digitale Schritt so groß und lebensverändernd wie jetzt. 

Ohne Corona hätte ich diesen Schritt nicht getan, da geht es mir wie den meisten anderen auch. Selbst im Herbst 2020 habe ich noch gedacht, dass ich zu alt sei, um die aktive Nutzung von Zoom und anderen Kommunikations-Softwares zu lernen. Einfach so an einer Online-Veranstaltung teilnehmen, das war kein Problem, aber meine Moderatorinnentätigkeit Online anzubieten und sowohl die Technik als auch den Inhalt als auch die Steuerung des Gruppenprozesses, alles gleichzeitig, zu managen, schien mir für mich ganz unmöglich. 

Dann gab es einen inneren Prozess um Weihnachten herum. Irgendwie wurde mir ganz langsam klar, dass ich diese Haltung " Dafür bin ich zu alt" bisher noch nie für mich akzeptiert habe, und plötzlich habe ich mich gefragt, warum sie diesmal gelten sollte. Allein die Frage hat dazu geführt, dass ich mich von diesem kurzen Satz befreien konnte und unmittelbar ein Gefühl in mir hoch stieg. Angst. Angst, es nicht zu schaffen. Dass die Herausforderung zu groß sei und ich scheitern würde. 

Damit konnte ich umgehen. Mit Scheitern kenne ich mich echt gut aus. Und mit Angst vorm Scheitern auch. Also war klar, dass ich es versuche, denn mein Ehrgeiz war geweckt. Und ab da lief alles wie am Schnürchen. Nicht dass es leicht gewesen wäre. Aber ich hatte niemals den Eindruck, ich sei zu alt dafür. Und auch nicht, dass ich es nicht schaffe. Es ist nur so, dass sehr viel Zeit zum Lernen und Üben notwendig ist. Es ist machmal echt anstrengend. 

Und wenn ich dann nach stundenlangen Online-Meetings aufstehe, meine Knochen sortiere und meine Muskeln und Sehnen strecke und recke und ich in die Küche gehe oder raus auf die Terrasse, dann bin ich total glücklich. Ich hatte ganz vergessen, dass geistige Anstrengung und Neues lernen so glücklich machen kann.

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